

Warum Routine so wichtig ist
Kaum klappert der Napf, steht die Katze schon erwartungsvoll daneben. Für viele Katzenhalter gehört dieses Szenario zum Alltag. Doch sollte eine Katze eigentlich selbst entscheiden, wann sie frisst? Oder sind feste Fütterungszeiten die bessere Lösung?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Manche Katzen kommen mit frei zugänglichem Futter gut zurecht, während andere dazu neigen, mehr zu fressen, als ihnen guttut. Festgelegte Fütterungszeiten können deshalb eine sinnvolle Struktur in den Katzenalltag bringen. Sie helfen dabei, die Futtermenge im Blick zu behalten und machen Veränderungen im Fressverhalten leichter erkennbar.
Dabei bedeutet „feste Fütterungszeiten“ nicht, dass eine Katze jeden Tag exakt um 7:00 Uhr und 19:00 Uhr fressen muss. Viel wichtiger ist ein verlässlicher Rhythmus, der zu den Bedürfnissen der Katze und zum Alltag ihrer Menschen passt.
Was sind feste Fütterungszeiten?
Bei festen Fütterungszeiten bekommt eine Katze ihre Mahlzeiten zu vorher festgelegten Zeitpunkten oder innerhalb bestimmter Zeitfenster. Die tägliche Futtermenge wird dabei auf mehrere Portionen verteilt.
Das kann beispielsweise so aussehen:
- morgens eine Mahlzeit
- am Nachmittag eine kleinere Portion
- abends eine weitere Mahlzeit
Wichtig ist deshalb: Ein fester Fütterungsrhythmus sollte nicht starr sein, sondern zur jeweiligen Katze passen.
Warum ist Routine für Katzen wichtig?
Katzen gelten als Gewohnheitstiere. Veränderungen in ihrer Umgebung oder ihrem Tagesablauf können sie verunsichern. Ein vorhersehbarer Tagesablauf kann dagegen Orientierung geben und für einen verlässlichen Rhythmus sorgen. Fütterungszeiten sind dabei ein Teil der täglichen Routine. Wenn eine Katze weiß, dass beispielsweise morgens und abends eine Mahlzeit auf sie wartet, kann sie sich auf diesen Ablauf einstellen.
Das bedeutet nicht, dass Katzen die Uhr lesen können. Sie orientieren sich an wiederkehrenden Abläufen und können sehr gut lernen, wann bestimmte Ereignisse normalerweise stattfinden.
Warum feste Fütterungszeiten beim BARFen besonders sinnvoll sind
Gerade beim BARFen sind feste Fütterungszeiten besonders sinnvoll, weil es hier auch um die Hygiene geht. Frisches rohes Futter sollte nicht über viele Stunden im Napf stehen bleiben. Je länger eine Mahlzeit bei Raumtemperatur steht, desto ungünstiger ist das für die hygienische Futterhandhabung.
Feste Fütterungszeiten schaffen hier einen einfachen Rahmen: Die Mahlzeit wird zu einer bestimmten Zeit angeboten und nicht gefressenes Futter anschließend wieder entfernt.
Was, wenn die Katze ihr BARF-Futter nicht sofort auffrisst?
Das kann gerade bei Katzen, die langsam oder in mehreren kleinen Etappen fressen, eine Herausforderung sein. Nicht jede Katze frisst ihre Mahlzeit sofort vollständig auf.
In diesem Fall kann es sinnvoll sein, die Tagesration auf mehrere kleinere Mahlzeiten statt auf eine große aufzuteilen. Auf diese Weise kommt das Futter immer frisch in den Napf und bleibt nicht viele Stunden stehen.
Feste Mahlzeiten erleichtern die Kontrolle über die Futtermenge
Ein weiterer Vorteil fester Fütterungszeiten ist, dass sich die tägliche Futtermenge leichter im Blick behalten lässt.
Steht Futter dauerhaft zur Verfügung, ist für Katzenhalter manchmal schwer einzuschätzen, wie viel die Katze tatsächlich frisst. Besonders bei mehreren Katzen kann schnell der Überblick verloren gehen.
Bei festen Mahlzeiten lässt sich dagegen nachvollziehen:
- wie viel Futter die Katze am Tag bekommt,
- wie viel sie von ihren Mahlzeiten frisst,
- ob sich ihr Appetit verändert,
- und ob die Futtermenge gegebenenfalls angepasst werden sollte.
Können feste Fütterungszeiten Übergewicht verhindern?
Feste Fütterungszeiten allein schützen eine Katze natürlich nicht vor Übergewicht. Entscheidend ist vor allem, wie viel Futter die Katze insgesamt bekommt und wie viel Energie sie tatsächlich benötigt. Sie können jedoch dabei helfen, die tägliche Futtermenge besser zu kontrollieren.
Denn was schnell nach einer kleinen zusätzlichen Portion aussieht, kann sich über den Tag summieren. Ein paar zusätzliche Leckerchen hier, ein Nachschlag dort und ein wenig Futter, weil die Katze so überzeugend miaut – schon kann aus einer eigentlich passenden Tagesration deutlich mehr werden.
Wer die Tagesration auf festgelegte Mahlzeiten verteilt, kann leichter im Blick behalten, wie viel die Katze über den Tag hinweg tatsächlich frisst.
„Aber meine Katze hat ständig Hunger!“
Viele Katzenhalter kennen das: Die Katze sitzt vor dem Napf, miaut und schaut ihren Menschen erwartungsvoll an. Kurz darauf folgt der Gang zum Futterschrank. Doch nicht jedes Betteln bedeutet automatisch, dass die Katze Hunger hat.
Katzen können sehr schnell lernen, welches Verhalten zum gewünschten Ergebnis führt. Wenn auf Miauen regelmäßig eine zusätzliche Portion Futter folgt, kann die Katze lernen: Miauen funktioniert.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Betteln grundsätzlich ignoriert werden sollte. Zunächst sollte immer geprüft werden, ob die Katze tatsächlich ausreichend gefüttert wird und ob ihre Futtermenge zu ihren individuellen Bedürfnissen passt.
Wenn die Katze ausreichend gefüttert wird und gesund ist, muss auf jedes Betteln nicht automatisch eine zusätzliche Mahlzeit folgen. Gerade feste Fütterungszeiten können dabei helfen, sich an die vorgesehenen Mahlzeiten zu halten, statt zwischendurch immer wieder zusätzliches Futter anzubieten.
Feste Fütterungszeiten können auch beim Beobachten der Gesundheit helfen
Ein regelmäßiger Fütterungsrhythmus hat noch einen weiteren Vorteil: Veränderungen fallen schneller auf.
Feste Fütterungszeiten machen es leichter, Veränderungen beim Fressverhalten einzuordnen. Wenn eine Katze ihre Mahlzeiten normalerweise zuverlässig frisst und plötzlich eine komplette Mahlzeit auslässt, fällt das im geregelten Fütterungsablauf eher auf.
Auch Veränderungen wie:
- plötzlich gesteigerter Appetit,
- deutlich weniger Fressen,
- wiederholtes Verweigern von Mahlzeiten,
- Gewichtsveränderungen
Dabei gilt: Verändert sich das Fressverhalten, muss das nicht unbedingt an der Fütterungsroutine liegen. Hält die Veränderung an oder kommen weitere Auffälligkeiten hinzu, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
Freie Fütterung oder feste Fütterungszeiten?
Beide Varianten können funktionieren – feste Fütterungszeiten haben jedoch einige klare praktische Vorteile.
Auch in der Natur steht einer Katze nicht dauerhaft Futter zur Verfügung. Sie jagt eine Beute, frisst sie und weiß nicht, wann die nächste erfolgreiche Jagd möglich sein wird. Eine ständig gefüllte Futterschale entspricht diesem Ablauf daher nur bedingt.
Bei der freien Fütterung kann die Katze selbst entscheiden, wann sie frisst. Das kann bei Katzen, die ihre Futteraufnahme gut selbst regulieren, durchaus funktionieren. Gerade in einem Mehrkatzenhaushalt wird es jedoch schnell schwieriger: Steht das Futter frei zur Verfügung, lässt sich oft kaum noch nachvollziehen, welche Katze wie viel gefressen hat.
Feste Fütterungszeiten schaffen hier einen klareren Rahmen. Jede Katze bekommt ihre eigene Futtermenge, und man kann besser beobachten, ob sie diese auch frisst. Beim BARFen kommt hinzu, dass rohes Futter nicht über längere Zeit im Napf stehen bleiben sollte.
Auch während einer Futterumstellung können feste Fütterungszeiten hilfreich sein, da sich so leichter beobachten lässt, ob und wie gut die Katze das neue Futter annimmt.
Feste Fütterungszeiten sind also nicht für jede Katze zwingend notwendig. Sie machen die Fütterung jedoch übersichtlicher und bringen gerade beim BARFen und in Mehrkatzenhaushalten viele praktische Vorteile mit sich.
Wie viele Mahlzeiten braucht eine Katze?
Es gibt keine feste Anzahl von Mahlzeiten, die für jede Katze gleichermaßen gilt.
Eine erwachsene Katze kann beispielsweise mit zwei Mahlzeiten am Tag zurechtkommen. Für manche Katzen können aber auch mehrere kleinere Mahlzeiten sinnvoll sein, da Katzen natürlicherweise häufig kleinere Mengen über den Tag verteilt fressen.
Kitten haben wiederum andere Bedürfnisse als ausgewachsene Katzen. Auch bei Senioren oder Katzen mit bestimmten Erkrankungen kann es sinnvoll sein, die Fütterungszeiten und die Anzahl der Mahlzeiten individuell anzupassen.
Was tun, wenn man nicht den ganzen Tag zu Hause ist?
Feste Fütterungszeiten lassen sich auch mit einem normalen Arbeitsalltag verbinden.
Auch wenn man tagsüber nicht zu Hause ist, muss man auf feste Fütterungszeiten nicht verzichten. Je nach Anzahl der Mahlzeiten können einzelne Portionen über einen Futterautomaten zu den vorher am Gerät eingestellten Fütterungszeiten angeboten werden. Bei längerer Abwesenheit kann die Fütterung auch von einer vertrauten Person, beispielsweise einer Nachbarin, einem Nachbarn oder einem Katzensitter, zu einer vorher vereinbarten Zeit übernommen werden.
So lässt sich ein regelmäßiger Rhythmus schaffen, ohne dass der Mensch zu jeder Mahlzeit zu Hause sein muss.
Auch kleine Abweichungen sind dabei kein Problem. Eine Fütterungszeit muss nicht auf die Minute genau eingehalten werden.
Routine bedeutet nicht Perfektion. Ein verlässlicher Rahmen ist wichtiger als ein minutengenauer Zeitplan.
Feste Fütterungszeiten bei mehreren Katzen
Besonders interessant wird das Thema, wenn mehrere Katzen zusammenleben.
Denn nicht jede Katze frisst gleich schnell oder gleich viel. Während eine Katze ihren Napf in wenigen Minuten leert, lässt sich eine andere vielleicht Zeit. Auch unterschiedliche Futterbedürfnisse können dazu führen, dass die Katzen nicht einfach aus einem gemeinsamen Napf fressen sollten.
In solchen Fällen können getrennte Futterplätze hilfreich sein. So kann jede Katze ganz in Ruhe ihre eigene Mahlzeit futtern, ohne dass eine andere Katze ihr das Futter wegfrisst. Oft reicht es bereits aus, die Katzen während der Mahlzeit im Blick zu behalten und darauf zu achten, dass jede Katze bei ihrem eigenen Napf bleibt.
Gerade hier zeigen sich die Vorteile fester Fütterungszeiten besonders deutlich: Wenn alle Katzen gleichzeitig ihre Mahlzeit bekommen, lässt sich viel leichter kontrollieren, welche Katze wie viel frisst. Bei dauerhaft zugänglichem Futter ist diese Kontrolle deutlich schwieriger. Wichtig dabei ist, dass jede Katze in Ruhe und möglichst ungestört fressen kann.
So gelingt der Einstieg in einen festen Fütterungsrhythmus
Wer bisher ständig Futter stehen hatte, sollte den bisherigen Ablauf nicht unbedingt von heute auf morgen verändern. Für die Katze ist es meist angenehmer, wenn sie sich Schritt für Schritt an die neuen Fütterungszeiten gewöhnen kann.
Zunächst kann beispielsweise festgelegt werden, zu welchen Zeiten die tägliche Futterration angeboten wird. Nach und nach lassen sich die Abstände zwischen den Mahlzeiten anpassen, bis ein Rhythmus gefunden ist, der im Alltag gut funktioniert.
Hilfreich ist es, dabei möglichst konsequent zu bleiben. Wenn die Katze zwischen den Mahlzeiten nach Futter verlangt, sollte nicht jedes Mal eine zusätzliche Portion folgen. So kann sie lernen, dass es zu den gewohnten Zeiten Futter gibt und sie sich auf diesen Ablauf verlassen kann.
Zusammengefasst: Regelmäßigkeit statt strenger Zeitplan
Feste Fütterungszeiten können Katzen einen verlässlichen Rhythmus geben und gleichzeitig ihren Menschen dabei helfen, die Futteraufnahme besser im Blick zu behalten.
Sie können dabei unterstützen, Überfütterung zu vermeiden, Veränderungen beim Appetit schneller wahrzunehmen und einen vorhersehbaren Tagesablauf zu schaffen. Beim BARFen kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Ein strukturierter Fütterungsablauf erleichtert den hygienischen Umgang mit rohem Futter und verhindert, dass eine Mahlzeit unnötig lange im Napf verbleibt.
Dabei muss die Katze jedoch nicht jeden Tag auf die Minute genau gefüttert werden. Entscheidend ist vielmehr ein regelmäßiger Ablauf, der zur Katze und zum Alltag ihrer Menschen passt. Feste Fütterungszeiten sollen also keinen starren Stundenplan vorgeben. Sie sollen einen verlässlichen Rhythmus schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Katze die Futtermenge und Ernährung bekommt, die zu ihren Bedürfnissen passt.
Autorin:
Nicole Kipp-Meilwes
Nicole Kipp-Meilwes

