

Stolpersteine beim BARF
BARF wirkt auf den ersten Blick oft ganz einfach: Fleisch auswählen, Ration zusammenstellen und füttern. In der Praxis gibt es jedoch einige Punkte, bei denen gerade am Anfang leicht Unsicherheiten entstehen können.
Manche Zutaten sind für Katzen grundsätzlich geeignet, sollten aber in der richtigen Menge oder Form gefüttert werden. Bei anderen kommt es auf die Zubereitung an, während bestimmte Lebensmittel besser gar nicht in den Napf gehören.
Die folgenden Hinweise sollen dabei helfen, typische Stolpersteine zu erkennen und die einzelnen Zutaten bei der Zusammenstellung einer BARF-Ration besser einzuordnen.
Rohes Schweinefleisch
Rohes Schweinefleisch sollte nicht an Katzen verfüttert werden. Schweine können das Aujeszky-Virus übertragen. Für Menschen ist dieses Virus ungefährlich, bei Katzen kann eine Infektion jedoch tödlich verlaufen.
Auch wenn das Risiko bei Hausschweinen in Deutschland sehr gering ist, sollte rohes Schweinefleisch deshalb nicht Bestandteil einer BARF-Ration sein. Durch ausreichendes Erhitzen wird das Virus inaktiviert. Gegartes Schweinefleisch kann daher verfüttert werden.
Fisch – geeignet, aber mit einigen Besonderheiten
Fisch kann gelegentlich für Abwechslung im Speiseplan sorgen und als einzelne Mahlzeit angeboten werden. Er liefert hochwertiges tierisches Eiweiß und je nach Fischart auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Lachs ist beispielsweise eine gute Quelle für diese Fettsäuren.
Trotzdem spricht einiges dafür, Fisch eher als gelegentliche Mahlzeit zu betrachten und nicht regelmäßig in den Futterplan einzubauen. Neben den Besonderheiten einzelner Fischarten können auch mögliche Belastungen durch Schadstoffe eine Rolle spielen. Hinzu kommen Fragen zur Herkunft, zur Fischerei und zu den Haltungsbedingungen von Zuchtfischen. Ein Blick darauf kann helfen, bewusster zu entscheiden, welchen Fisch und wie häufig man ihn füttern möchte.
Einige Fischarten können im rohen Zustand das Enzym Thiaminase enthalten. Bei häufiger Fütterung kann Thiaminase die Vitamin-B1-Versorgung beeinträchtigen. Durch ausreichendes Erhitzen wird das Enzym inaktiviert. Fisch kann daher auch gegart oder gedünstet und anschließend abgekühlt angeboten werden.
Wer Fisch häufiger füttern möchte, sollte sich über die jeweilige Fischart und ihren Thiaminasegehalt informieren.
Besonders bei ganzen Fischen oder Fischstücken sollte auf mögliche Gräten geachtet werden.
Wird Fisch gelegentlich als separate Mahlzeit angeboten, steht dabei die Abwechslung im Vordergrund. Eine solche einzelne Fischmahlzeit muss daher nicht für sich allein die vollständige Nährstoffversorgung einer Katze abdecken. Entscheidend ist, dass Fisch nicht regelmäßig anstelle einer ausgewogenen BARF-Ration gefüttert wird.
Knochen – roh und fein gewolft
Knochen können bei der BARF-Fütterung als natürliche Calciumquelle eingesetzt werden. Auch bei einer natürlichen Beute wie einer Maus nimmt die Katze die kleinen Knochen mit auf.
Für die BARF-Ration können rohe Knochen sehr fein gewolft werden. Dafür eignet sich ein leistungsstarker, für die Verarbeitung von Knochen geeigneter Fleischwolf mit einer möglichst kleinen Scheibe. Nicht jedes Haushaltsgerät ist dafür ausgelegt. Die fein zerkleinerten Knochen lassen sich anschließend gleichmäßig unter die Ration mischen.
Wichtig: Knochen niemals gekocht verfüttern!
Gekochte, gebratene oder anderweitig erhitzte Knochen gehören nicht in den Katzennapf. Durch das Erhitzen können Knochen spröde werden und leichter splittern. Dadurch können scharfkantige Stücke entstehen, die Verletzungen im Maul oder Verdauungstrakt verursachen können.
Wenn Knochen als Calciumquelle eingesetzt werden, muss ihre Menge bei der Berechnung der gesamten BARF-Ration berücksichtigt werden. Sie sollten nicht zusätzlich zu einer bereits vollständig gedeckten Calciumversorgung gegeben werden.
Wer keine Knochen füttern möchte oder sich mit der Verwendung von gewolften Knochen nicht wohlfühlt, kann die Calciumversorgung alternativ über ein hochwertiges, für Katzen geeignetes Knochenpulver abdecken. Auch hier sollte die Menge passend zur gesamten BARF-Ration berechnet werden.
Leber – auf die Menge kommt es an
Leber gehört bei vielen BARF-Konzepten zur Ration und ist eine wichtige Quelle für Vitamin A. Gerade weil sie so nährstoffreich ist, sollte sie in der passenden Menge gefüttert werden. Eine größere Menge Leber sorgt nicht automatisch für eine bessere Versorgung.
Die richtige Menge hängt von der Zusammensetzung der gesamten Ration und dem gewählten BARF-Konzept ab. Leber sollte deshalb weder unnötig weggelassen noch einfach nach dem Motto „mehr ist besser“ gefüttert werden.
Mehr über die Bedeutung der Leber und Vitamin A erfahren Sie in unseren Artikeln Leber in hausgemachtem Katzenfutter und Vitamin A und die Rolle der Leber
Ei – hochwertiges Eiweiß
Ei liefert hochwertiges Eiweiß und ist für Katzen gut verdaulich. Es kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung der Fütterung sein.
Rohes Eiweiß sollte jedoch nicht verfüttert werden. Es enthält Avidin, ein Protein, das Biotin bindet und dadurch dessen Aufnahme im Darm beeinträchtigen kann. Bei regelmäßiger Fütterung größerer Mengen rohen Eiweißes kann dies zu einer Biotin-Unterversorgung beitragen.
Das Eigelb kann roh verfüttert werden. Auch das gesamte Ei kann nach ausreichendem Erhitzen angeboten werden, da Avidin durch Erhitzen weitgehend inaktiviert wird.
Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch & Lauch
Für Katzen giftig! Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch und andere Lauchgewächse (Allium) können die roten Blutkörperchen schädigen und eine schwere Blutarmut (hämolytische Anämie) verursachen. Katzen reagieren besonders empfindlich auf die enthaltenen Schwefelverbindungen.
Gefährlich sind sowohl rohe als auch gekochte, getrocknete oder pulverisierte Formen. Auch Zwiebel- und Knoblauchpulver können problematisch sein und sollten Katzen nicht gegeben werden.
Typische Anzeichen einer Vergiftung können unter anderem Schwäche, Mattigkeit, blasse Schleimhäute, Appetitlosigkeit, schnelle Atmung und dunkel verfärbter Urin sein. Da Beschwerden teilweise erst verzögert auftreten können, sollte bei Verdacht auf eine Aufnahme umgehend ein Tierarzt kontaktiert werden.
Supplemente nicht einfach zusätzlich geben
Supplemente können bei selbst zusammengestellten BARF-Rationen dazu beitragen, bestimmte Nährstoffe gezielt abzudecken. Welche Supplemente benötigt werden, hängt jedoch von der Zusammensetzung der jeweiligen Ration ab.
Deshalb sollten Supplemente nicht einfach zusätzlich nach dem Motto „viel hilft viel“ gegeben werden. Entscheidend ist, welche Zutaten bereits enthalten sind und welche Nährstoffe dadurch abgedeckt werden.
Eine unnötige oder zu hohe Supplementierung kann ebenso problematisch sein wie eine Unterversorgung. Die Supplemente sollten deshalb immer zum gewählten BARF-Konzept und zur jeweiligen Ration passen.
BARF-Mischungen sind nicht automatisch vollständige Rationen
Fertige BARF-Mischungen, wie sie von BARF-Anbietern oder im Fachhandel angeboten werden, können die Zubereitung erleichtern. Die Bezeichnung „BARF-Mischung“ bedeutet jedoch nicht automatisch, dass damit bereits eine vollständige Mahlzeit für die Katze zusammengestellt ist.
Manche Mischungen enthalten beispielsweise nur verschiedene Fleischsorten und müssen noch durch weitere Bestandteile oder Supplemente ergänzt werden. Deshalb lohnt sich vor der Verwendung ein Blick auf die Produktangaben und darauf, wofür die jeweilige Mischung vorgesehen ist.
Auch bei fertigen Mischungen sollten Supplemente nicht einfach nach Gefühl ergänzt werden. Entscheidend ist, welche Nährstoffe durch die Mischung bereits abgedeckt werden und was gegebenenfalls noch ergänzt werden muss.
Noch einmal auf den Punkt gebracht: Auf Auswahl, Menge und Zubereitung kommt es an
Einige Zutaten sollten bei BARF grundsätzlich vermieden werden. Dazu gehören beispielsweise rohes Schweinefleisch, erhitzte Knochen sowie Zwiebeln, Knoblauch und andere Lauchgewächse.
Bei anderen Lebensmitteln kommt es dagegen vor allem auf die richtige Menge und Zubereitung an. Leber ist ein wichtiger Bestandteil vieler BARF-Rationen, sollte aber passend dosiert werden. Auch Ei kann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn es in geeigneter Menge und Form gefüttert wird. Rohes Eiweiß sollte dabei nicht verfüttert werden.
Fisch nimmt eine Sonderstellung ein: Er kann gelegentlich als separate Mahlzeit für Abwechslung sorgen, muss aber kein Bestandteil des BARF-Futtrplans sein.
Wer BARF-Rationen zusammenstellt, muss deshalb nicht einfach eine lange Liste von „verbotenen“ Lebensmitteln kennen. Viel hilfreicher ist es, die einzelnen Zutaten bewusst auszuwählen und immer die gesamte Ration im Blick zu behalten.
Autorin: Nicole Kipp-Meilwes


