Nährstoffe und Supplemente verstehen





Welche Nährstoffe braucht eine Katze beim Barfen?
Wer mit dem Barfen beginnen möchte, stellt sich häufig die Frage, welche Nährstoffe eine Katze tatsächlich benötigt. Denn auch wenn Fleisch die Grundlage der Ernährung bildet, entsteht eine ausgewogene Mahlzeit erst durch das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe.
Bei einer selbst zusammengestellten Mahlzeit übernimmt der Katzenhalter die Aufgabe, die einzelnen Bestandteile sinnvoll aufeinander abzustimmen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, welche Nährstoffe Katzen benötigen, welche Funktionen sie im Körper erfüllen und warum bestimmte Bestandteile oder Ergänzungen eine wichtige Rolle spielen.

Die natürliche Ernährung als Vorbild
Die natürliche Ernährung einer Katze liefert viele dieser Nährstoffe durch das Zusammenspiel verschiedener Beutebestandteile. Eine Beute besteht nicht nur aus Muskelfleisch, sondern enthält auch Organe, Knochen, Blut und weitere Gewebe. Beim Barfen wird dieses Prinzip aufgegriffen und durch eine gezielte Zusammenstellung der Mahlzeiten berücksichtigt.


Warum die Nährstoffversorgung beim Barfen besonders wichtig ist
Bei der natürlichen Beute ergibt sich die Nährstoffversorgung durch das Zusammenspiel verschiedener Bestandteile. Bei einer selbst zusammengestellten Barf-Ration müssen diese Zusammenhänge berücksichtigt werden. Entscheidend ist hierbei nicht ein einzelner Bestandteil oder Nährstoff, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten innerhalb der gesamten Fütterung.


Diese Nährstoffe sind beim Barfen besonders wichtig:

Protein und Aminosäuren
Als reine Fleischfresser sind Katzen auf eine regelmäßige Versorgung mit tierischem Protein angewiesen. Eiweiß liefert wichtige Bausteine für den Körper und ist unter anderem für den Erhalt von Muskeln, Gewebe und verschiedene Körperfunktionen notwendig. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge des aufgenommenen Proteins, sondern vor allem die enthaltenen Aminosäuren. Einige dieser Aminosäuren kann die Katze nicht selbst in ausreichender Menge bilden und muss sie deshalb über die Nahrung aufnehmen.

Besonders wichtig sind unter anderem Taurin, Arginin sowie die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Diese Aminosäuren übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Körper und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Deshalb kommt es beim Barfen nicht nur auf die Menge an Fleisch an, sondern auf die ausgewogene Zusammensetzung der gesamten Ration.


Taurin
Taurin nimmt bei Katzen eine besondere Stellung ein. Während viele andere Tiere Taurin in ausreichender Menge selbst bilden können, ist diese Fähigkeit bei Katzen begrenzt. Taurin ist unter anderem für die normale Funktion von Herz, Augen und Nervensystem wichtig. Da Katzen auf eine regelmäßige Zufuhr über die Nahrung angewiesen sind, muss die Taurinversorgung bei selbst zusammengestellten Mahlzeiten besonders beachtet werden.

Natürliche Taurinquellen finden sich vor allem in tierischen Geweben wie Herz und bestimmten Innereien. In Barf-Mahlzeiten kann Taurin zusätzlich ergänzt werden, wenn die Versorgung über die verwendeten Bestandteile nicht ausreichend sichergestellt ist.


Calcium und Phosphor
Calcium und Phosphor gehören zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Katzenernährung. Beide arbeiten eng zusammen und werden unter anderem für Knochen, Zähne sowie verschiedene Stoffwechselprozesse benötigt. In der Natur erhält eine Katze diese Mineralstoffe durch das vollständige Fressen ihrer Beute. Knochen liefern dabei vor allem Calcium, während Muskelfleisch einen höheren Anteil an Phosphor enthält.

Bei einer selbst zusammengestellten Barf-Ration muss dieses Verhältnis berücksichtigt werden. Wird hauptsächlich Muskelfleisch gefüttert, fehlt die natürliche Calciumquelle der Beute. Deshalb wird je nach Zusammensetzung der Ration eine passende Calciumquelle oder ein entsprechendes Supplement eingesetzt. Entscheidend ist nicht die Menge eines einzelnen Bestandteils, sondern das ausgewogene Zusammenspiel aller Nährstoffe innerhalb der gesamten Fütterung.


Vitamin A und die Bedeutung der Leber
Anders als viele Pflanzenfresser können Katzen pflanzliche Vorstufen von Vitamin A nicht ausreichend nutzen. Deshalb sind sie auf Vitamin A aus tierischen Quellen angewiesen.

Eine wichtige natürliche Quelle ist die Leber, da sie einen hohen Gehalt an Vitamin A enthält. Bei der Zusammenstellung einer Barf-Mahlzeit kommt es dabei auf die richtige Menge an, denn auch bei natürlichen Nährstoffen ist das Gleichgewicht entscheidend.

Wenn Sie mehr über die Rolle der Leber in der Katzenernährung erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen: Leber in hausgemachtem Katzenfutter und Vitamin A und die Rolle der Leber


Essentielle Fettsäuren
Fette sind für Katzen nicht nur eine Energiequelle, sondern liefern auch wichtige Fettsäuren. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zusammensetzung einer ausgewogenen Barf-Ration. Einige Fettsäuren kann die Katze nicht selbst ausreichend herstellen und muss sie deshalb über die Nahrung aufnehmen. Eine besondere Bedeutung hat dabei Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, die ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Tierische Fettquellen und bestimmte Bestandteile wie Leber können zur Versorgung beitragen. Auch die Menge und Qualität des verwendeten Fettes spielen bei der Zusammenstellung einer Ration eine Rolle, da Fett neben seiner Funktion als Nährstoff eine wichtige Energiequelle für Katzen darstellt.
Wenn Sie sich ausführlicher mit dem Thema Fett im der Katzennahrung beschäftigen möchten, finden Sie hier weiterführende Informationen: Wieviel und welches Fett


Vitamin D
Vitamin D nimmt bei Katzen eine besondere Rolle ein, da sie diesen Nährstoff nicht wie Menschen über die Haut durch Sonnenlicht bilden können. Deshalb muss Vitamin D über die Nahrung aufgenommen werden. Es ist unter anderem am Calcium- und Phosphorstoffwechsel beteiligt und sollte bei der Planung einer ausgewogenen Barf-Ration berücksichtigt werden.


Kohlenhydrate
Katzen sind als reine Fleischfresser auf eine Ernährung mit tierischen Bestandteilen spezialisiert. Ihre natürliche Beute liefert Energie vor allem aus Eiweiß und Fett. Kohlenhydrate spielen in der artgerechten Ernährung der Katze eine andere Rolle als bei vielen anderen Tierarten. Eine Barf-Ration orientiert sich deshalb an der natürlichen Zusammensetzung der Beute und berücksichtigt die besonderen Ernährungsbedürfnisse der Katze.


Wasser und Flüssigkeitsversorgung
Wasser gehört ebenfalls zu den grundlegenden Bestandteilen einer ausgewogenen Katzenernährung. Katzen nehmen einen großen Teil ihrer Flüssigkeit natürlicherweise über ihre Nahrung auf, da Beutetiere einen hohen Wasseranteil enthalten. Bei der Rohfütterung wird dieses natürliche Prinzip berücksichtigt, da frische tierische Bestandteile bereits einen hohen Feuchtigkeitsanteil enthalten. Trotzdem sollte frisches Trinkwasser jederzeit zur Verfügung stehen, damit die Katze ihren Bedarf zusätzlich decken kann.


Welche Rolle spielen Supplemente beim Barfen?
Nicht jede Barf-Ration enthält automatisch alle Nährstoffe in ausreichender Menge. Wenn eine Katze nicht die vollständige Beute erhält, müssen bestimmte Nährstoffe gezielt berücksichtigt werden. Bei einer selbst zusammengestellten Ration können Supplemente beispielsweise dabei helfen, Calcium, Taurin oder bestimmte Vitamine passend abzudecken. Supplemente ersetzen jedoch nicht das Verständnis für die Zusammensetzung einer Ration, sondern unterstützen dabei, die Versorgung passend zur jeweiligen Fütterung sicherzustellen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Supplemente, sondern deren sinnvoller Einsatz und die Auswahl passend zur jeweiligen Ration.


Muss jede Mahlzeit perfekt ausgewogen sein?
Nein. Entscheidend ist nicht, dass jede einzelne Mahlzeit exakt gleich zusammengesetzt ist, sondern dass die gesamte Fütterung über einen längeren Zeitraum ausgewogen geplant ist. Auch eine freilebende Katze bekommt nicht mit jeder Beute exakt dieselben Mengen an Nährstoffen. Wichtig ist daher ein ausgewogenes Gesamtkonzept.


Fazit
Eine gute Barf-Ration besteht aus mehr als nur Fleisch. Erst das Zusammenspiel verschiedener Bestandteile sorgt dafür, dass die natürlichen Bedürfnisse der Katze berücksichtigt werden können. Muskelfleisch liefert hochwertiges Eiweiß, Organe ergänzen wichtige Nährstoffe, Calciumquellen berücksichtigen den Knochenanteil der Beute und Supplemente können dabei helfen, mögliche Lücken auszugleichen.

Wer versteht, welche Aufgabe die einzelnen Nährstoffe und Bestandteile erfüllen, kann Barf-Rationen bewusster zusammenstellen und fundierter beurteilen, welche Form der Rohfütterung zur eigenen Katze und zum eigenen Alltag passt.



Autorin: Nicole Kipp-Meilwes
Quellen/Literaturverzeichnis:
– Klinische Diätetik für Kleintiere, Hand/Thatcher/Remillard/Roudebush, Verlag Schlütersche – Zitate: 1)
– Krankheiten der Katze, Horzinek,/Schmidt/Lutz, Verlag Enke
– Skript für Studierende der Veterinärmedizin Universität Zürich, Prof. Dr. M. Wanner, Institut für Tierernährung, 2003
– Burgersteins Mikronährstoffe in der Medizin, Michales Zimmermann, Enke Verlag
– Elisabeth M. Hodgkins, Your Cat, Thomas Dunne Books